Imkern anfangen: vom Kurs zum ersten eigenen Volk

Imkern anfangen: vom Kurs zum ersten eigenen Volk

Die meisten, die mit dem Imkern anfangen wollen, beginnen mit der falschen Frage: Welche Beute soll ich kaufen? Die richtige Frage lautet: Wer zeigt mir das? Bienen halten lernt man am offenen Volk, mit jemandem daneben, der weiß, was er sieht. Alles andere — Maß, Ausstattung, das erste Volk — ergibt sich aus dieser einen Entscheidung fast von selbst.

Der Weg in Kurzform

Wer im Herbst anfängt zu planen, hat im Frühsommer darauf sein erstes Volk. Die Reihenfolge ist dabei wichtiger als das Tempo:

  1. Imkerverein in der Nähe finden und zu einem Treffen gehen.
  2. Neuimkerkurs belegen — Theorie im Winter, Praxis am Lehrbienenstand ab dem Frühjahr.
  3. Einen Imkerpaten suchen, der dich im ersten Jahr begleitet.
  4. Das Beutenmaß übernehmen, mit dem Verein und Pate arbeiten.
  5. Ausstattung zusammenstellen — nur das, was du vor dem ersten Volk wirklich brauchst.
  6. Die Bienenhaltung beim Veterinäramt anzeigen, Versicherung über den Verein klären.
  7. Ein bis zwei Völker kaufen, meist als Ableger im Frühsommer.
  8. Das erste Jahr an der Seite des Paten durchgehen.

Jeder dieser Punkte hat einen eigenen Artikel, die Verweise findest du im Text. Hier geht es um den Zusammenhang.

Warum der Verein zuerst kommt

Ein Imkerverein ist kein Pflichttermin, sondern die Abkürzung. Dort bekommst du den Kurs, den Paten, das Beutenmaß der Region und oft das erste Volk aus dem Verein selbst. Dort steht die Honigschleuder, die du im ersten Jahr nicht kaufen musst, weil du sie leihen kannst. Und mit der Mitgliedschaft in einem Verein, der einem Landesverband angehört, ist in der Regel eine Imker-Haftpflichtversicherung verbunden — frag beim Verein nach, was genau sie abdeckt.

Dazu kommt etwas, das sich nicht kaufen lässt: Menschen, die deinen Stand kennen. Wenn im Juni ein Volk weisellos ist oder im August die Varroazahlen hochgehen, hilft ein Anruf mehr als jedes Buch. Wer allein anfängt, verliert häufiger sein erstes Volk — nicht aus Unvermögen, sondern weil niemand rechtzeitig sagt, was zu tun ist.

Kurs und Pate: was du wo lernst

Neuimkerkurse laufen meist über ein Jahr. Der Theorieteil liegt im Winter: Biologie des Volkes, Beutensysteme, Krankheiten, Recht. Ab dem Frühjahr geht es an den Lehrbienenstand, oft alle zwei Wochen, dem Imkerjahr entlang — erste Durchsicht, Schwarmzeit, Ernte, Einfüttern, Behandlung. Kurse bieten Ortsvereine, Landesverbände und manche Volkshochschulen an. Was ein Kurs kostet, unterscheidet sich stark; frag direkt nach.

Der Pate ergänzt den Kurs um das, was ein Kurs nicht leisten kann: Er sieht deine Völker. Ein guter Pate schaut in den ersten Wochen mit dir hinein, sagt dir, was du gerade siehst, und lässt dich dann zunehmend allein. Du erkennst ihn daran, dass er Fragen mit „Schau dir das mal an" beantwortet statt mit einer Meinung.

Wann du anfangen solltest — und mit wie vielen Völkern

Der beste Zeitpunkt für die Planung ist der Herbst. Dann laufen die Kursanmeldungen, dann hat der Verein Zeit, und du hast den Winter, um dich einzulesen und die Ausstattung in Ruhe zusammenzustellen. Das erste Volk ziehst du im Frühsommer ein, wenn Ableger verfügbar sind — die ruhigste Art anzufangen, weil das Volk mit dir wächst.

Fang mit zwei Völkern an, nicht mit einem. Das klingt nach doppelter Arbeit, ist aber die einfachere Variante: Du kannst vergleichen, was normal ist und was nicht. Und wenn ein Volk seine Königin verliert, kannst du mit einer Brutwabe aus dem zweiten aushelfen. Ein einzelnes Volk ohne Vergleich ist für Anfänger das schwierigere Volk. Mehr als drei sollten es im ersten Jahr nicht sein.

Drei Entscheidungen vor dem ersten Volk

Das Beutenmaß. Zander, Deutsch Normal, Dadant oder Langstroth — die Debatte darüber ist lang, die Antwort für Anfänger kurz: Nimm das Maß, mit dem dein Pate und dein Verein arbeiten. Nur dann passen geliehene Geräte, getauschte Waben und der Ableger aus dem Verein in deine Beute. Was hinter den Maßen steckt, steht unter Beutenmaß wählen.

Die Ausstattung. Die Liste ist kürzer, als Kataloge vermuten lassen: Beuten mit Rähmchen und Mittelwänden, Stockmeißel, Abkehrbesen, Smoker, Schleier oder Jacke, Handschuhe. Was wirklich nötig ist und was warten kann, sortiert der Artikel Erstausstattung; die Kostenseite erklärt Was kostet Imkern?. Wer Werkzeug und Kleidung nicht einzeln zusammensuchen will, findet in der Kategorie Einsteiger-Sets beides gebündelt — bewusst ohne Beute, denn die richtet sich nach dem Maß, das dein Verein vorgibt.

Das Recht. Wer Bienen halten will, muss das nach § 1a der Bienenseuchen-Verordnung spätestens bei Beginn dem zuständigen Veterinäramt anzeigen, mit Anzahl der Völker und Standort. Das ist ein Formular, kein Verfahren. Was sonst noch gilt — Nachbarn, Abstand, Haftpflicht, Mietwohnung — steht unter Bienen im Garten halten.

Das erste Volk

Für Anfänger ist ein Ableger die bessere Wahl gegenüber einem Wirtschaftsvolk: kleiner, ruhiger, mit junger Königin, und er wächst über den Sommer mit deiner Erfahrung. Honig gibt es im ersten Jahr meist nicht — dafür ein Volk, das du von Anfang an kennst. Woher das Volk kommt, ist wichtiger als der Preis: aus dem Verein, im richtigen Maß, mit dem Gesundheitszeugnis des Amtstierarztes, das beim Standortwechsel vorliegen muss. Worauf du beim Kauf achtest, steht unter Ableger oder Wirtschaftsvolk kaufen.

Das erste Jahr: was auf dich zukommt

Ein Ableger, der im Juni einzieht, will erst einmal wachsen. Du schaust alle ein bis zwei Wochen hinein, fütterst bei Bedarf und lernst, Brut, Futter und Königin zu lesen. Im Spätsommer beginnt die Arbeit, die über den Winter entscheidet: die Varroabehandlung mit einem zugelassenen Tierarzneimittel nach Packungsbeilage — der Jahresplan zur Varroabehandlung erklärt das Konzept — und das Einfüttern, damit das Volk mit vollem Vorrat in den Winter geht.

Im zweiten Frühjahr kommt die Schwarmzeit, in der du in kurzen Abständen kontrollierst; wie das geht, steht unter Schwarmkontrolle. Den ganzen Rhythmus, Monat für Monat, fasst Das Imkerjahr zusammen. Dazu kommen die Handgriffe, die jeder lernt: den Smoker anzünden, die passende Schutzkleidung tragen und die acht Werkzeuge kennen, mit denen du an jedes Volk gehst.

Die häufigsten Anfängerfehler

  • Zuerst kaufen, dann fragen. Eine Beute im falschen Maß ist der teuerste Anfängerfehler, weil er alles Folgende bestimmt.
  • Allein anfangen. Bücher und Videos ersetzen den Blick des Paten nicht.
  • Zu oft hineinschauen. Jede Öffnung stört das Volk. Im Kurs lernst du, was du von außen am Flugloch ablesen kannst.
  • Varroa unterschätzen. Die Milbe ist die häufigste Ursache für Winterverluste. Wer im ersten Sommer nicht misst und behandelt, verliert oft das erste Volk.
  • Die Anzeige vergessen. Sie ist Pflicht, und sie sorgt dafür, dass du im Seuchenfall informiert wirst.
  • Mit einem Volk anfangen. Ohne Vergleich siehst du nicht, was normal ist.

Der nächste Schritt ist deshalb kein Kauf: Such heute den Verein in deiner Nähe und schreib eine Mail. Alles andere hat Zeit bis zum Frühjahr. Wer den Winter für Kurs und Planung nutzt, steht im Juni mit einem Volk da, das er versteht — und das ist mehr wert als jede Ausstattung.

Häufige Fragen

Kann ich auch mitten im Sommer mit dem Imkern anfangen?

Möglich ist es, weil Ableger bis in den Juli hinein abgegeben werden. Sinnvoll ist es nur, wenn du schon einen Paten hast, der die ersten Wochen mit dir durchgeht. Ohne Kurs und Begleitung ist der Sommer der schwierigste Einstieg, weil Varroabehandlung und Einfüttern sofort anstehen. Besser: den laufenden Sommer beim Paten mitgehen und im nächsten Frühsommer selbst starten.

Wie viel Zeit kostet Imkern im ersten Jahr?

In der Saison brauchst du je Volk grob eine Stunde in der Woche, in der Schwarmzeit mehr. Dazu kommen Ernte, Einfüttern und Behandlung als eigene Termine und die Kursabende im Winter. Von November bis Februar ist an den Völkern fast nichts zu tun, außer einer Kontrolle von außen und der Winterbehandlung.

Brauche ich einen eigenen Garten?

Nein. Viele Anfänger stellen ihre Völker auf einem Vereinsstand, einer Streuobstwiese oder bei Bekannten auf. Für ein fremdes Grundstück solltest du eine schriftliche Vereinbarung haben, die Zugang, Dauer und Kündigung regelt. Der Standort gehört in jedem Fall in die Anzeige beim Veterinäramt.

Ist ein eingefangener Schwarm ein gutes erstes Volk?

Für Anfänger eher nicht. Bei einem Schwarm kennst du weder Herkunft noch Alter der Königin noch den Gesundheitszustand, und er kommt ohne Gesundheitszeugnis. Ein Ableger aus dem Verein ist planbar, im richtigen Maß und hat eine junge Königin. Schwärme fangen ist etwas für das zweite oder dritte Jahr.

Was mache ich, wenn es in meiner Nähe keinen Verein gibt?

Frag beim Landesverband nach; der kennt auch kleine Vereine ohne Internetseite. Oft lohnt sich der Weg in den Nachbarort, denn der Verein ist wichtiger als die Nähe. Kurse gibt es auch online, sie ersetzen aber nicht den Paten am offenen Volk. Notfalls suchst du dir den Paten unabhängig vom Verein über den Landesverband.

Muss ich Stiche aushalten können?

Stiche gehören dazu, mit guter Kleidung und ruhiger Arbeitsweise bleiben es wenige. Wer nach einem Stich mehr als eine örtliche Schwellung bekommt, sollte das ärztlich abklären lassen, bevor das erste Volk kommt. Die Reaktion auf Bienenstiche verändert sich mit der Zeit — in beide Richtungen.

Wie lange dauert es, bis ich Honig ernte?

Mit einem Ableger im ersten Jahr meist gar nicht; das Volk braucht seinen Vorrat selbst. Im zweiten Jahr erntest du bei normalem Verlauf zum ersten Mal. Ein Wirtschaftsvolk liefert schon im ersten Jahr, ist aber für Anfänger deutlich anspruchsvoller. Wie viel es wird, hängt stärker vom Standort und vom Wetter ab als von dir.

Kann ich ein Volk auch im Herbst oder Winter kaufen?

Im Winter werden Völker nicht bewegt; die Wintertraube darf nicht gestört werden. Im Herbst ist ein Kauf möglich, aber ungünstig: Du übernimmst ein Volk, dessen Einfütterung und Behandlung jemand anders gemacht hat, und siehst erst im Frühjahr, ob alles gestimmt hat. Kauf im Frühjahr als überwinterten Ableger oder im Frühsommer als frischen Ableger.

Was passiert mit den Völkern im Sommerurlaub?

Zwei Wochen ohne Kontrolle sind nach der Schwarmzeit unproblematisch. Kritisch ist der Zeitraum von Mitte Juli bis Ende August, in dem Varroabehandlung und Einfüttern anstehen — plane den Urlaub darum herum oder sprich mit dem Paten ab, wer nachsieht. In der Schwarmzeit von Mai bis Juni sollte jede Woche jemand kontrollieren.

Was muss ich von Anfang an dokumentieren?

Jede Anwendung eines Tierarzneimittels gehört ins Bestandsbuch: Datum, Volk, Mittel, Menge. Das ist Pflicht, auch für Hobbyimker mit einem Volk. Zusätzlich lohnt sich eine Stockkarte je Volk mit Datum, Beobachtungen und Maßnahmen jeder Durchsicht — daraus lernst du im zweiten Jahr am meisten.