Was aufs Etikett muss
Sobald Honig deine Küche verlässt — spätestens beim Verkauf — greifen Honigverordnung und Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV). Sie verlangen: die Bezeichnung („Honig“, gegebenenfalls mit Sorte wie „Blütenhonig“ oder „Sommertracht“), die Nettofüllmenge in Gramm, ein Mindesthaltbarkeitsdatum, Name und Anschrift des Imkers als Lebensmittelunternehmer, das Ursprungsland und eine Loskennzeichnung, sofern das Haltbarkeitsdatum nicht auf den Tag genau angegeben ist. Die Schrift muss gut lesbar sein, mindestens 1,2 mm hoch, gemessen am kleinen x (bei sehr kleinen Gläsern 0,9 mm), Bezeichnung und Füllmenge im selben Sichtfeld. Eine Nährwerttabelle ist beim Direktverkauf kleiner Mengen in der Regel nicht Pflicht (LMIV, Anhang V) — frag im Zweifel bei deiner Lebensmittelüberwachung nach. Was das im Detail heißt und welche Fehler Kontrolleure zuerst sehen, steht im Ratgeber zu den Pflichtangaben auf dem Honigetikett. Ein Kaufkriterium folgt daraus direkt: Vorgedruckte Etiketten brauchen Freifelder, die groß genug für Füllmenge, Datum, Los und deine Anschrift sind.
Papier oder Folie, ablösbar oder fest
Papieretiketten (matt, Naturpapier) wirken hochwertig und lassen sich mit Laser- oder Tintenstrahldrucker beschriften; Tintenstrahl ist nicht wischfest, ein Tropfen Honig auf dem Etikett verwischt die Anschrift. Folienetiketten sind wasser- und wischfest, gut für Gläser, die im Kühlschrank stehen. Für Gläser, die du zurücknimmst und wiederverwendest, brauchst du ablösbaren Kleber oder nassklebende Etiketten, die im warmen Wasser abgehen — permanent klebende Etiketten kosten dich beim Spülen jedes Mal eine Viertelstunde je Glas. Formate: Frontetikett, kleines Rückenetikett für Pflichtangaben und Lagerhinweis, Deckeletikett als Blickfang. Miss die Glasform: Ein Etikett darf nicht über die Rundung an den Glashals laufen, sonst wirft es Falten.
Gewährverschluss
Der Gewährverschluss ist ein Siegelstreifen über Deckel und Glasrand, der beim ersten Öffnen reißt. Er zeigt dem Kunden, dass das Glas ungeöffnet ist, und wird auf Wochenmärkten und in Hofläden erwartet. Den Gewährverschluss des Deutschen Imkerbundes mit dem geschützten Warenzeichen bekommst du nur als Mitglied über deinen Landesverband und nur für dessen Einheitsglas. Für eigene Gläser gibt es neutrale Gewährverschlüsse und Siegel — sie tragen kein Warenzeichen, erfüllen aber denselben Zweck.
Deckel und Gläser
Deckel werden nach dem Twist-off-Maß gewählt, dem Durchmesser des Glasmunds in Millimetern. Miss den Außendurchmesser des Gewinderands, bevor du bestellst — ein Deckel, der nicht zum Glas passt, schließt nicht dicht, und Honig zieht dann Wasser aus der Luft. Deckel, die schon einmal eingedrückt waren, nicht wieder verwenden; die Dichtmasse hält beim zweiten Mal nicht sicher. Gläser in Menge führen wir nicht; die kaufst du im Fachhandel oder über die Sammelbestellung deines Vereins, je Palette meist günstiger. Wer Honig als Hobbyimker verkaufen will, muss sich als Lebensmittelunternehmer registrieren, die Loskennzeichnung ernst nehmen und Steuerfragen mit dem Steuerberater klären — das Etikett ist der sichtbare Teil davon.
Typische Fehler
Etiketten kaufen, bevor die Gläser da sind, und dann zu große Etiketten auf zu kleine Gläser drücken. Freifelder, in die die Anschrift nur unterhalb der Mindestschriftgröße passt. „Aus eigener Imkerei“ ohne vollständige Anschrift. Deckel ohne Maß bestellt. Und Gesundheitsversprechen auf dem Etikett: Honig ist ein Lebensmittel, und Aussagen über eine Wirkung auf die Gesundheit sind dort unzulässig.
Häufige Fragen
Welches Etikett hat genug Platz für alle Pflichtangaben?
Eines mit Freifeldern für Füllmenge, Haltbarkeitsdatum, Losnummer und deine vollständige Anschrift — in einer Schrift von mindestens 1,2 mm x-Höhe. Bei kleinen Frontetiketten geht das oft nur mit einem zusätzlichen Rückenetikett. Prüf vor dem Kauf, ob Bezeichnung und Füllmenge auf dieselbe Seite passen; sie müssen im selben Sichtfeld stehen.
Papier- oder Folienetiketten?
Papier für den klassischen Look und wenn du Gläser zurücknimmst — es löst sich im Wasser. Folie, wenn Gläser feucht werden, etwa im Kühlschrank oder auf dem Markt bei Regen. Beide gibt es für Laserdrucker; für den Tintenstrahl nur Folien oder Papiere, die ausdrücklich dafür ausgewiesen sind, sonst verwischt der Druck.
Welche Etikettengröße passt auf mein Glas?
Miss die gerade Mantelfläche zwischen Bodenrundung und Halsrundung. Das Etikett muss in der Höhe darunter bleiben und darf in der Breite nicht über die Rundung bei Sechs- oder Achtkantgläsern laufen. Für 500-g- und 250-g-Gläser gibt es Standardformate; bei Sondergläsern erst ein Etikett testweise anlegen.
Brauche ich einen Gewährverschluss?
Pflicht ist er nicht. Beim Verkauf auf Märkten und in Läden zeigt er, dass das Glas ungeöffnet ist, und schützt dich vor Reklamationen. Für Gläser, die im Familienkreis bleiben, reicht das Etikett. Wenn du verkaufst, nimm ihn — er kostet pro Glas wenig und wird von Kunden erwartet.
Kann ich den Gewährverschluss des Imkerbundes hier kaufen?
Nein. Das Warenzeichen „Echter Deutscher Honig“ mit dem Gewährverschluss ist an die Mitgliedschaft im Deutschen Imkerbund gebunden; Verschlüsse und Einheitsgläser bekommst du über deinen Landesverband. Hier findest du neutrale Gewährverschlüsse für eigene Gläser.
Welcher Deckel passt auf mein Glas?
Der mit dem passenden Twist-off-Maß: Miss den Außendurchmesser des Gewinderands in Millimetern und vergleiche ihn mit der Angabe am Deckel. Gängige Honiggläser haben je nach Größe und Hersteller verschiedene Maße — ein Deckel, der ein paar Millimeter zu groß ist, schließt nicht dicht. Deckel-Farbe und Aufdruck sind Geschmack, das Maß nicht.
Kann ich Deckel wiederverwenden?
Besser nicht, wenn sie schon eingedrückt und wieder geöffnet wurden. Die Dichtmasse im Deckelrand verformt sich beim ersten Verschließen; beim zweiten Mal schließt sie nicht mehr sicher, und Honig zieht Feuchtigkeit. Gläser kannst du beliebig oft wiederverwenden, Deckel sind Verbrauchsmaterial.
Ablösbare oder permanente Etiketten?
Ablösbar oder nassklebend, wenn du Gläser zurücknimmst und spülst — die gehen im warmen Wasser ab. Permanent, wenn die Gläser beim Kunden bleiben oder feucht werden. Viele Imker nehmen permanentes Papier für den Verkauf und ablösbare Etiketten für die Gläser im Familienkreis.
Kann ich Etiketten selbst drucken?
Ja, auf Bogenetiketten mit dem Laserdrucker; der Druck ist dann wischfest. Tintenstrahldruck verwischt bei Honigkontakt, außer auf dafür ausgewiesenen Folien. Achte auf die Mindestschriftgröße von 1,2 mm x-Höhe und darauf, dass die Pflichtangaben nicht von Grafik überlagert werden.
Wie viele Etiketten und Deckel brauche ich?
Je Glas ein Frontetikett, gegebenenfalls ein Rückenetikett, ein Deckel und ein Gewährverschluss. Aus 15 bis 40 kg Honig je Volk und Jahr werden 30 bis 80 Gläser à 500 g. Rechne zehn Prozent Reserve für Fehldrucke und Gläser, die später nachgefüllt werden.