Die Erstausstattung ist der Moment, in dem die meisten Anfänger zu viel kaufen. Nicht aus Leichtsinn, sondern weil jede Liste im Netz ein bisschen länger ist als die davor. Dabei brauchst du vor dem ersten Volk erstaunlich wenig — und einiges, das als unverzichtbar gilt, benutzt du im ersten Jahr kein einziges Mal.
Erst der Verein, dann die Bestellung
Bevor du irgendetwas bestellst, brauchst du eine Information, die du nicht kaufen kannst: das Beutenmaß deines Vereins oder Paten. Rähmchen, Mittelwände, Absperrgitter, Futterzarge — fast alles richtet sich danach. Wer mit dem Verein arbeitet, kann Waben tauschen, Ableger übernehmen und Geräte leihen. Wer ein anderes Maß wählt, steht mit jedem Rähmchen allein da. Warum das so ist, erklärt Beutenmaß wählen. Erst wenn das Maß steht, lohnt sich der Rest dieser Liste.
Was du vor dem ersten Volk brauchst
Die Beute
Je Volk eine Beute mit Boden, Brutraumzargen, Innendeckel und Deckel — bei zwei Völkern also zwei. Ob Holz oder Kunststoff, entscheidet der Verein meist mit, weil beides seine Anhänger hat und beides funktioniert. Beuten bekommst du im Fachhandel oder über den Verein; achte darauf, dass Maß und Zargenhöhe zu den Rähmchen passen, die du dazu kaufst. Wie viele Zargen ein Volk im ersten Jahr braucht, hängt vom Maß ab: Bei Zander und Deutsch Normal sind es meist zwei Brutraumzargen, bei Dadant eine große — dein Pate sagt dir, was am Stand üblich ist. Der Honigraum kommt bei einem Ableger in der Regel erst im zweiten Jahr dazu. Dazu gehört ein Beutenbock oder eine stabile Palette, damit die Beute nicht auf dem Boden steht.
Rähmchen und Mittelwände
Je Zarge ein Satz Rähmchen, dazu Mittelwände im selben Maß. Für den Start reichen die Rähmchen für den Brutraum plus eine Reserve; Honigraumrähmchen kommen, wenn das Volk sie braucht. Gedrahtete Rähmchen sparen Zeit, ungedrahtete Geld — wie das Drahten geht, steht unter Rähmchen drahten. Bei den Mittelwänden lohnt der Blick auf die Herkunft des Wachses: rückstandsgeprüft ist das Stichwort, nicht der Preis je Kilo. Die Auswahl nach Maß findest du unter Rähmchen und Mittelwände.
Werkzeug
Drei Dinge reichen für jede Durchsicht: ein Stockmeißel, ein Abkehrbesen und ein Smoker mit Rauchmaterial. Achte bei allen dreien auf Edelstahl und Griffe, die auch mit Handschuhen sicher in der Hand liegen. Alles Weitere — Wabenzange, Rähmchenhalter, Entdeckelungsgabel — erleichtert die Arbeit, ist aber im ersten Frühjahr nicht nötig. Die vollständige Liste mit dem, worauf du bei jedem Teil achtest, steht unter Die acht Werkzeuge.
Schutzkleidung
Ein Schleier oder eine Jacke mit Schleier, dazu Handschuhe. Ob Jacke oder ganzer Anzug, hängt davon ab, wie ruhig du am offenen Volk bist — Anfänger arbeiten mit mehr Schutz besser, weil sie nicht zucken. Den Vergleich der Varianten findest du unter Schutzkleidung im Vergleich.
Kleinkram, der fehlt, wenn er fehlt
- Fluglochkeil oder Fluglochschieber, um das Flugloch beim Ableger zu verengen
- Eine Sprühflasche mit Wasser für Ableger und Vereinigungen
- Ein Bestandsbuch — die Dokumentation jeder Arzneimittelanwendung ist Pflicht
- Stockkarten oder ein Heft für die Durchsichten
- Eine Kiste oder Wanne für Wachsreste und Werkzeug
Was im ersten Sommer dazukommt
Ein Ableger zieht im Juni ein und wächst. Bis zum Spätsommer brauchst du drei weitere Dinge, die du nicht im März kaufen musst:
- Varroa-Diagnose und Verdunster. Eine Bodeneinlage („Windel") für die Gemülldiagnose gehört dazu, sobald das Volk steht. Für die Sommerbehandlung mit einem zugelassenen Tierarzneimittel brauchst du das passende Applikationszubehör — welches, hängt vom Präparat ab, das dein Verein empfiehlt. Beides findest du unter Varroabehandlung & Diagnose.
- Futterzarge oder Futtereimer. Der Ableger wird im Spätsommer eingefüttert, oft mehrfach. Was zum Beutentyp passt, steht unter Beutenzubehör; den Ablauf erklärt Einfüttern im Spätsommer.
- Mäusegitter für den Herbst — ein kleines Teil, das man im Oktober nicht mehr suchen möchte.
Absperrgitter und Bienenflucht brauchst du erst, wenn du Honig erntest — bei einem Ableger also in der Regel im zweiten Jahr.
Was du im ersten Jahr nicht brauchst
- Honigschleuder. Der größte Posten jeder Liste — und der unnötigste. Im ersten Jahr gibt es meist keinen Honig, danach steht die Schleuder im Verein.
- Refraktometer, Siebe, Abfülleimer. Alles Erntezubehör. Kaufen, wenn die erste Ernte absehbar ist, nicht vorher.
- Etiketten und Gläser in Menge. Ohne Honig kein Etikett.
- Zuchtzubehör. Weiselbecher, Begattungskästchen, Zuchtrahmen — das ist das zweite oder dritte Jahr.
- Wachsschmelzer. Altwaben fallen im ersten Jahr kaum an; im Verein steht oft einer.
- Der Vollanzug in Profiqualität. Eine gute Jacke mit Schleier reicht den meisten Hobbyimkern dauerhaft.
Die Regel dahinter: Kauf, was das Volk im nächsten Monat braucht. Nicht, was du irgendwann brauchen könntest.
Set oder Einzelkauf?
Ein Einsteiger-Set bündelt Werkzeug und Kleidung, also genau den Teil der Liste, der nicht vom Beutenmaß abhängt. Das ist der Grund, warum sinnvolle Sets keine Beute enthalten: Die richtet sich nach dem Verein, der Rest nicht. Wenn du Stockmeißel, Besen, Smoker und Schleier nicht einzeln vergleichen willst, findest du sie in der Kategorie Einsteiger-Sets zusammengestellt — und ergänzt Rähmchen und Mittelwände dann im Maß deines Vereins.
Einzeln kaufen lohnt sich, wenn du schon weißt, was du willst: einen bestimmten Schleiertyp etwa oder einen größeren Smoker für mehrere Völker. Der Preisunterschied zwischen Set und Einzelkauf ist meist kleiner als der Unterschied zwischen einem Kauf und drei Nachbestellungen mit Versand.
Gebraucht kaufen: was geht und was nicht
Gebrauchte Beuten und Zargen sind eine der besten Sparmöglichkeiten — mit einer Bedingung. Du musst wissen, woher sie kommen. Beuten aus einer Auflösung, deren Völker an Amerikanischer Faulbrut eingegangen sind, tragen die Sporen über Jahre. Übernimm deshalb nie Altwaben, nie Wachs unbekannter Herkunft und keine Beuten, deren Vorgeschichte niemand kennt. Holzbeuten aus bekannter Quelle lassen sich abkratzen und mit der Lötlampe abflammen; bei Kunststoffbeuten frag den Verein nach dem üblichen Reinigungsweg.
Werkzeug gebraucht zu kaufen ist unproblematisch, wenn du es gründlich reinigst. Bei Schutzkleidung gilt: Ein Schleier mit Loch ist keine Schutzkleidung mehr.
Die Liste zum Abhaken
- Beutenmaß vom Verein bestätigt
- Je Volk eine Beute mit Boden, Zargen, Deckel
- Rähmchen und Mittelwände im Maß, mit Reserve
- Stockmeißel, Abkehrbesen, Smoker, Rauchmaterial
- Schleier oder Jacke, Handschuhe
- Fluglochkeil, Sprühflasche, Bestandsbuch, Stockkarten
- Für den Sommer vorgemerkt: Windel, Verdunster, Futterzarge, Mäusegitter
Was das alles zusammen kostet und wo der Preis herkommt, steht unter Was kostet Imkern?.
Häufige Fragen
Wann sollte die Erstausstattung komplett sein?
Spätestens eine Woche bevor das Volk kommt. Die Beute steht aufgebaut am Platz, die Rähmchen sind gedrahtet und mit Mittelwänden bestückt, Schleier und Smoker liegen bereit. Das Zubehör für den Spätsommer kann warten, aber alles, was du am Einzugstag brauchst, sollte nicht mehr unterwegs sein.
Kann ich die Beute selbst bauen?
Ja, die Imkerverbände geben Baupläne für die gängigen Maße heraus. Entscheidend ist die Maßhaltigkeit: Der Abstand zwischen Rähmchen und Wand muss stimmen, sonst verbauen die Bienen jede Lücke. Nimm unbehandeltes Holz für den Innenraum und rechne die Arbeitszeit ehrlich mit — für geübte Handwerker lohnt es sich, für alle anderen selten.
Was tun, wenn mein Pate ein anderes Maß hat als der Verein?
Richte dich nach dem Paten, denn er ist es, der in deine Völker schaut und dir Waben oder Ableger gibt. Zwei Maße parallel zu führen ist für Anfänger die schlechteste Lösung. Wenn Pate und Verein weit auseinanderliegen, sprich beide darauf an — oft gibt es im Verein mehrere Imker mit dem Maß deines Paten.
Wie bereite ich den Standplatz vor?
Die Beute steht auf einem festen Bock etwa kniehoch, leicht nach vorn geneigt, damit Wasser abläuft. Das Flugloch zeigt nach Süden oder Osten, weg von Wegen und Nachbargrenzen, mit Morgensonne und Windschutz. Du brauchst Platz, um von hinten oder von der Seite zu arbeiten, ohne in der Flugbahn zu stehen.
Muss ich neue Holzbeuten vor dem Einsatz behandeln?
Außen ja, innen nein. Außen schützt Leinöl oder eine für Bienenbeuten geeignete Farbe das Holz vor Wetter; der Anstrich sollte einige Wochen ausdünsten. Innen bleibt das Holz roh, die Bienen kitten es selbst mit Propolis aus. Kunststoffbeuten werden vor dem Einsatz nur ausgewaschen.
Warum darf ich keine Altwaben vom Vorbesitzer übernehmen?
Altwaben können Sporen der Amerikanischen Faulbrut tragen, Rückstände aus alten Behandlungen enthalten und Wachsmotten mitbringen. Selbst bei bekannter Herkunft gehören dunkle Waben eingeschmolzen. Dein Volk baut auf frischen Mittelwänden schneller und sauberer, als es alte Waben je putzen könnte.
Was gehört ins Bestandsbuch, solange ich noch nicht behandelt habe?
Leg es trotzdem gleich an, mit Standort, Anzahl der Völker und dem Datum, an dem sie eingezogen sind. Mit der ersten Anwendung eines Tierarzneimittels kommen Datum, Volk, Mittel und Menge dazu. Wer das Buch von Anfang an führt, sucht später nicht nach Belegen.
Was mache ich, wenn das Volk früher kommt als geplant?
Das Minimum ist eine fertige Beute mit bestückten Rähmchen, ein Schleier, ein Stockmeißel und ein Smoker. Alles andere kann in den ersten zwei Wochen nachkommen, weil du das Volk nach dem Einzug ohnehin einige Tage in Ruhe lässt. Wichtiger als vollständige Ausstattung ist ein vorbereiteter Standplatz.
Was fehlt am Tag des Einzugs am häufigsten?
Ein Spanngurt für den Transport, der Fluglochkeil, die Sprühflasche und Futter für den Ableger, den man nach dem Umsetzen meist gleich versorgt. Auch Reserve-Rähmchen fehlen oft, weil der Ableger mit mehr Waben kommt als gedacht. Eine kurze Liste am Vorabend erspart die Fahrt zum Fachhandel am Einzugstag.
Wie lagere ich Rähmchen und Mittelwände bis zum Einsatz?
Kühl, trocken, dunkel und dicht, denn Wachsmotten finden jede offene Kiste. Mittelwände liegen flach und werden bei Frost nicht bewegt, weil sie dann brechen. Halte Wachs von Farben, Kraftstoffen und Reinigungsmitteln fern — es nimmt Gerüche auf, und die Bienen nehmen es dann schlechter an.